Selbstmitgefühl – Freundschaft mit sich selbst schließen. Als Selbstmitgefühl bezeichnet man die Fähigkeit mitfühlend, freundlich und wohlwollend mit sich selbst umzugehen. Besonders wichtig ist das in unseren verletzlichsten Momenten, zum Beispiel dann, wenn wir nicht perfekt sind, Fehler machen und mit uns selbst hadern.

Mitgefühl für sich selbst stärkt nicht nur das Wohlbefinden, sondern fördert auch Selbstfürsorge & Selbstliebe, lindert Stress und emotionale Erschöpfung. Außerdem hilft es dabei, besser mit Schicksalsschlägen und schwierigen Situationen umzugehen und fördert dadurch die Resilienz.

Was ist Selbstmitgefühl?

Selbst-Mitgefühl beinhaltet Freundlichkeit, Güte und Nachsicht für sich selbst. Im Grunde bedeutet es, dass man sich selbst so behandelt, wie man auch einen guten Freund, oder einen geliebten Menschen behandeln würde.

Wer sich selbst Mitgefühl entgegen bringtkann sich dadurch beruhigen, trösten und auch verzeihen. Das aktiviert das körpereigene Beruhigungs- und Fürsorgesystem, baut Stress ab und sorgt für Entspannung.

Ein Beispiel:

Denken Sie kurz an eine Situation in der Sie zum Beispiel einen Fehler gemacht, eine Prüfung versemmelt, jemanden ungerecht behandelt, oder sich ungeschickt verhalten haben …

Wie gehen Sie da mit sich selbst um? Wie sprechen Sie gewöhnlich in solchen (Stress)Situationen mit sich?

Die meisten Menschen reagieren mit Selbstverurteilung, Abwertung oder Selbstkritik, genau dem Gegenteil von Selbstmitgefühl. Das innere Selbstgespräch lautet dann ungefähr so: “Was bin ich für ein Idiot”! “Das hätte ich doch besser wissen müssen”! “Warum stell ich mich so an”? “Xy hätte das sicher besser gemacht”, oder …

Leider hilft das weder dabei sich besser zu fühlen oder zu beruhigen, noch hilft es aus Fehlern zu lernen, oder einen neuen Versuch zu wagen!

Man fühlt sich noch schlechter, denn Selbstkritik und Selbstabwertung aktivieren das innere Stresssystem zusätzlich. Selbstvertrauen und Motivation sinken, das “unangenehme Gefühl” wird stärker. Es ist ein bisschen so, als würde man Öl ins Feuer gießen!

Mit Selbstmitgefühl könnte man dieses Feuer löschen: Wenn man Mitgefühl mit sich hat kann man erkennen, dass es gerade echt schwierig ist. Wir erkennen dann, dass Menschen manchmal Fehler machen und nicht perfekt sind (sondern eben menschlich). Und weil das so ist, können wir mitfühlend und tröstend mit uns selbst umgehen!

Das mitfühlende Selbstgespräch könnte dann so lauten: “Aua, das tut weh”. “Puh, das ist wirklich schwer auszuhalten”. “Beim nächsten Mal geht´s besser”. “Jeder Mensch macht Fehler”, “niemand ist perfekt”, usw.

Außerdem kann man sie sich selbst beruhigen und etwas Gutes tun: Vielleicht eine heiße Dusche, eine Tasse Tee, oder ein Gespräch mit einem netten Menschen …  Selbstmitgefühl würde helfen, sich innerlich zu beruhigen und mit neu gewonnener Kraft kann man aus Fehlern lernen, oder einen neuen Versuch wagen!

Mehr zu Achtsames Selbstmitgefühl:

So wirkt Mitgefühl für sich selbst:

Neurobiologisch aktiviert Mitgefühl sowohl unser Beruhigungs-, als auch das Fürsorgesystem. Dadurch werden verschiedene Bereiche im Gehirn, die für die Emotionsverarbeitung und die emotionale Kompetenz zuständig sind, positiv stimuliert.

Das Gefühl von Stress nimmt ab, das vegetative Nervensystem kann sich beruhigen und der Parasympathikus (der für Ruhe & Regeneration zuständig ist) wird aktiviert.

Erst dadurch sind wir in der Lage

  • zu regenerieren, neue Kraft, Zuversicht und Mut zu entwickeln
  • aus Fehlern zu lernen, uns selbst zu vergeben, einen erneuten Versuch zu wagen
  • Widerstandskraft zu entwickeln
  • negative Gedankenschleifen, Selbstkritik und Selbstmitleid zu durchbrechen
  • mit schwierigen Gefühlen wie Angst, Schmerz, Panik, oder auch Scham umzugehen
  • und eine liebevolle Beziehung zu uns selbst zu entwickeln

MSC- Selbstmitgefühl ist eines der wirksamsten Gegenmittel bei Neigung zu Perfektionismus, Selbstkritik, Angst & Panik.

Wie kann man Selbst-Mitgefühl lernen?

Die Fähigkeit mitfühlend auf Schmerz und Leid zu reagieren, tragen wir alle in uns. Bei anderen Menschen gelingt uns das meist auch ganz gut, bei uns selbst sind wir dagegen oft kritisch und hart.

Wie bei vielen Dingen im Leben ist auch Mitgefühl für sich selbst eine Übungssache.  Je öfter wir es machen, desto besser sind wir darin.

Leider ist in unserer Kultur Selbstmitgefühl nicht so angesehen. Manchmal wird es sogar als Schwäche ausgelegt. Deshalb versuchen viele Menschen sich eher über Selbstkritik und Selbstabwertung zu motivieren, als über Mitgefühl.

Möglichkeiten um Achtsames-Selbstmitgefühl zu lernen gibt es inzwischen viele. Eine davon ist das evidenz basierte MSC Training, nach Neff & Germer. Der speziell entwickelte 8 Wochen MSC-Kurs ist ein guter Einstieg, für mehr Achtsamkeit & Mitgefühl für sich selbst.

Je nach Anliegen und aktueller psychischer Verfassung kann ein Selbstmitgefühlstraining auch  im Einzelcoaching erfolgen, oder eine Therapie ergänzen.

Was Selbstmitgefühl nicht ist:

  • Selbstmitgefühl hat nichts mit Selbstmitleid, Opferrolle, oder “schön reden” zu tun. Mitleid ist etwas völlig anderes als Mitgefühl.
  • Selbst-Mitgefühl bedeutet, sich selbst auch mit seinen Fehlern und Schwächen anzunehmen. Mitgefühl ist die Basis, um aus Fehlern zu lernen, Schwächen zu transformieren, Verhalten zu verändern und “weise” und gut für sich zu sorgen.
  • Mitgefühl ist weder unnatürlich noch egoistisch, sondern die natürlichste Sache der Welt: Alle Menschen tragen den Wunsch in sich, glücklich und frei von Leid zu sein. Übrigens: Im Buddhismus wird diese Haltung seit 1000en von Jahren erfolgreich kultiviert!

Wenn Sie Fragen dazu haben oder wissen möchten, ob Selbstmitgefühl auch für Sie hilfreich sein könnte, schreiben Sie mir. Ich freue mich über Ihre Anfrage!

Zum Weiterlesen – mehr zu MSC (Mindful Self-Compassion)