Auszeit im Zen Kloster – Im August war ich für ein paar Tage in einem Zen Kloster bei Altötting. Die Sehnsucht nach Stille und das dringende Bedürfnis nach einer kleinen Auszeit haben mich dorthin geführt. Meine Erfahrungen mit Zen-Meditation und kleine Einblicke in den Klosteralltag lesen sie hier:

Auszeit im Zen Kloster – Dhaizan Fumonji

Ich starte an einem wunderbaren Sommertag und bin sehr gespannt. Bisher habe ich noch nie in einem Zen-Kloster meditiert … Nach ca. 1, 5 h Autofahrt erreiche ich den Ort Erlbach. Das Kloster liegt sehr idyllisch auf einer kleinen Anhöhe, umgeben von Wiesen, Feldern und wenigen Häusern: Wunderschön!

Als ich vor dem großen Holztor am Eingang stehe, die japanischen Schriftzeichen an der Seite bewundere und schließlich durch den schönen Innenhof hinein gehe, stellt sich irgendwie ganz automatisch ein Gefühl der Gelassenheit ein. Angekommen! Die Autofahrt, die Anspannung der letzten Tage, alles perlt von mir ab. Es ist fast, als würden sich die Uhren hier drinnen ein bisschen langsamer drehen.

Als ich dann noch super-freundlich begrüßt werde und eine kurze Einweisung erhalte, bin ich rundum zufrieden.

Mein Zimmer ist gemütlich und hat eine tolle Aussicht. So habe ich mir das gewünscht und instinktiv weiß ich, hier bin ich richtig …

Was genau bedeutet eigentlich meditieren im Zen Kloster

Meditieren – in Stille sitzen und langsames gehen

Im Kloster praktizieren wir traditionelle Zen Meditation. Diese Art der Meditation findet überwiegend im stillen Sitzen (ohne gesprochene Anleitung), auf einem Zafu (Sitzkissen), im Kendo (das ist die Meditationshalle) statt. Wer kann, sitzt im Lotussitz mit gekreuzten Beinen …

Ganz schön “knackig” denke ich mir, als ich die erste Einheit mit knapp 30 Minuten absolviert habe 🙂

Danach wird Gehmeditation, im Zen Kinhin genannt, praktiziert. Wir gehen für 10 Minuten ganz langsam und achtsam, spüren Schritt für Schritt … Ich finde das wunderbar erdend. Außerdem können sich dabei meine verspannten Rückenmuskeln lockern …

Nach Kinhin folgt wieder eine Einheit Sitz-Meditation auf dem Kissen.

Auch bei der Zen Meditation geht es darum den Geist (der ja sonst ständig in Betrieb ist) still werden zu lassen. Und, wie Roshi der Zen-Meister immer wieder erklärt, das GANZ DA SEIN im HIER und JETZT. Alles andere kommt von allein. Genau wie bei anderen Achtsamkeitsmeditationen, hilft die Konzentration auf das Ein- und Ausatmen.

Mich trägt die Atmosphäre im Zendo. Die Struktur und Klarheit der Übungen & Rituale, sowie die Anwesenheit der Mit-Meditierenden. Im JETZT bin ich mal mehr, mal weniger. Die Gedanken schweifen immer wieder ab, aber mein Körper holt mich zurück ins JETZT. Der Rücken schmerzt, die Knie zwicken! Dadurch bin ich – ganz von selbst – immer wieder total präsent im jetzigen Augenblick 🙂

Möglichst liebevoll mit mir selbst versuche ich mit den Schmerzen und der ungewohnten Sitzhaltung klar zu kommen. Ein Glück, dass ich Selbstmitgefühl praktiziere. Das ist eine echte Hilfe und ich frage mich innerlich, wie die anderen das machen …

Arbeitsmeditation – Achtsamkeit mitten im Alltag

Zur Zen-Meditation gehört nicht nur das stille Sitzen und langsame Gehen im Zendo, sondern – ganz wichtig – auch die Achtsamkeit im Alltag, achtsame Arbeit. Die Idee ist, die Präsenz und Aufmerksamkeit (die im Zendo geübt wird), in den Alltag zu transportieren. Es geht darum Alltagstätigkeiten achtsam, entspannt und wenn möglich mit Freude zu tun!

Um das ganz praktisch zu üben, gehört während des Aufenthaltes im Zen Kloster täglich eine Stunde Arbeitsmeditation dazu. Das ist Arbeit für die Klostergemeinschaft, zum Beispiel in der Küche, oder im Garten.

Ich helfe in der Küche, bei der Zubereitung des Mittagessens. Auch die Arbeitsmeditation findet im Schweigen statt und unterstütz so die Erfahrung der Achtsamkeit:

Eine große Kiste mit Karotten vor uns, die geschält und geschnippelt werden müssen. Wir arbeiten ganz in Ruhe, ohne Zeitdruck, ohne Hektik. Jeder macht etwas anderes und gibt sein bestes, ganz gelassen.

Das berührt mich. Während ich aufmerksam und entspannt die Karotten schneide, denke ich daran, wie oft ich zu Hause schnell, schnell, zwischen Tür und Angel Essen mache. Von Achtsamkeit keine Spur!

Wie schade, eigentlich ! Die Arbeit ist die gleiche, die Zeit die es braucht auch. Nur das Gefühl dabei ist ein komplett anderes … !!
Ich nehme mir ganz fest vor in Zukunft noch viel öfter Alltagstätigkeiten mit Achtsamkeit auszuführen!

Der Tagesablauf im Zen Kloster Eisenbuch

Der Tagesablauf ist klar strukturiert und beginnt früh. Mein Kurs findet fast komplett im Schweigen statt (mit Ausnahme der Vorträge und Fragerunden). Es gibt festgelegte Zeiten für Meditation, Vorträge und gemeinsame Arbeit, aber auch frei verfügbare Zeit, um zu lesen oder auch mal nichts zu tun:

Morgens

Um 5 Uhr weckt mich der Gong, spätestens um 5.25h sitzen wir alle im Zendo auf dem Kissen. Wir meditieren, praktizieren dazwischen Kinhin und um kurz vor 7h das Morgenritual.

Dann gibt es Frühstück. Wir essen alle gemeinsam in Stille. Es wird erst begonnen, wenn sich alle etwas vom Buffet geholt haben und wieder sitzen.

Ich genieße Löffel für Löffel meinen Reisbrei mit frischen Früchten und den Luxus in Stille zu essen …

Um 9h geht es weiter mit einer Stunde Arbeitsmeditation, ab 11h nochmal Meditation oder Vortrag.

Mittags

Auch das Mittagessen ist frisch gekocht. Bio, vegetarisch und sehr lecker! Um Punkt 12h essen wir alle gemeinsam, in Stille und mit diesem schon bekannten Ritual … Danach freie Zeit bis 15h.

Ich suche mir ein schönes Platzerl im herrlichen Garten, döse ein bisschen und lese ein paar Zeilen. Es ist wunderbar entspannend …

Abends

Auch am Nachmittag und abends, gibt es nochmal verschiedene Meditationen, achtsame Bewegungsübungen und Vorträge. Der Tag endet mit gemeinsamer Sitz-Meditation im Zendo, gegen 20.30h.

Ich lassen den Tag gemütlich ausklingen, sitze auf dem “Bankerl” im Garten des Zen-Klosters und lauschen den Grillen. Herrlich …

Mein Fazit

Nach 4 Tagen Meditation im Zen Kloster bin ich total entspannt. Der Stress der letzten Wochen ist von mir abgeperlt. Es fühlt sich an als hätte ich die Reset-Taste gedrückt und in den “Langsam-Modus” umgeschaltet. Ohne Ablenkung von außen und schweigend, gelingt es einfach viel leichter achtsam zu sein.

Die Atmosphäre im Kloster, die Freundlichkeit, Fürsorglichkeit und der wertschätzende Umgang miteinander haben sehr dazu beigetragen. Die Hektik des Alltags ist momentan ganz weit weg und ich fühle mich total zufrieden!

Besonders berührt hat mich der wertschätzende Umgang mit der Nahrung. Sowohl bei der Zubereitung, als auch beim Essen. Außerdem ist mir wieder einmal bewusst geworden, welches Potential in der Alltagsachtsamkeit liegt. Ich nehme mir vor, diese Achtsamkeitspraxis noch mehr in meinen Alltag einzubauen!

Ziemlich herausfordernd fand ich manchmal die langen Sitzperioden, mit “verknoteten” Beinen (Lotussitz). Da bin ich froh, dass ich auch Alternativen kenne und nicht ausschließlich Zen-Meditation praktiziere.

Als ich ins Auto steige und mich auf den Heimweg mache, nehme ich eine große Portion Zufriedenheit, Gelassenheit und viele neue Impulse für meine eigene Meditationspraxis mit. Es ist einfach super sich von Zeit zu Zeit eine kleine Auszeit zu gönnen. Ich werde ganz bestimmt wieder kommen !

Vielen Dank an das gesamte Team von Eisenbuch. Ich habe mich sehr wohl gefühlt bei Euch 🙂

Für mehr Informationen geht´s hier zur Seite des Zen Klosters Eisenbuch.

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